KfW-Effizienzhaus 115 – Ratgeber

Das KfW-Effizienzhaus 115 wird ein von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) benannt und bezeichnet einen definierten Gebäudeenergiestandard. KfW-Effizienzhäuser 115 benötigen 115 % des Primärernergiebedarfes gegenüber eines üblichen Neubaus (EnEV – Referenzhaus) und die Transmissionswärmeverluste liegen bei  130 %. 

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Anforderungen

Die Sanierung zum KfW Haus 115 oder KfW-Effizienzhaus 115, stellt Bauherrn und Planer vor besondere Anforderungen. Der Primärenergiebedarf des Bestandsgebäudes muss  auf das Niveau eines aktuellen Neubaus abgesenkt werden. Dies entspricht 115 % Primärenergiebedarf bezogen auf das Referenzhaus. Der Primärenergiebedarf umfasst zusätzlich zu der eigentlich verbrauchten Energie im Haus auch die aufgewendete Energie für die vorgelagerten Prozesse der Energiegewinnung und des Energietransports.

Beispiel: Primärenergiebedarf
Bei der Wärmegewinnung aus Kohle wird mehr Energie eingesetzt, als beispielsweise bei der Energiegewinnung aus Wasserkraft (Wassermühle). Das Verhältnis zwischen Aufwand für die Gewinnung der Energie und der Energie selbst, wird über den Wirkungsgrad definiert. Dre Wirkungsgrad von Kohlekraft liegt bei ca. 40 %, der von Wasserkraftwerken hingegen bis zu 90 %.

Die andere Anforderung, welche die KfW (Kreditansalt für den Wiederaufbau) stellt, ist die Begrenzung der Transmissionswärmeverluste auf 130 % gegenüber des Referenzhauses, also gegenüber eines aktuellen Neubaus. Transmissionswärmeverluste entstehen, wenn es im Haus wärme ist, als draußen und die Wärmeenergie durch die Gebäudehülle nach außen dringt. Die kann beispielsweise durch undichte Fenster geschehen. Aber auch durch die Wand wird Wärmeenergie von innen nach außen (Winterfall) übertragen. Im Sommer ist es genau umgekehrt. Abhilfe schafft da neben der Dämmung der Außenwände und der Einbau neuer Fenster mit möglichst geringem U-Wert auch die Dämmung zu allen unbeheizten Räumen, wie dem Dachboden.

Sanierung

Nachfolgend findest Du eine kurze Beschreibung der förderfähigen Einzelmaßnahmen bei der Sanierung eines Bestandsgebäudes zum KfW-Effizienzhaus 115. Grundsätzlich ist bei der Sanierung vorab die Planung das Wichtigste. Gleiches gilt für den Neubau. Änderungen während der Bauphase, Umplanungen und Um-Entscheidungen führen zu Stillständen, Verzögerungen und erheblichen Mehrkosten. Wer hier länger plant und die Planung diszipliniert umsetzt spart mehr, als er sparen könnte, wenn er minderwertige Produkte oder günstigere Arbeitskräfte einsetzt.

Wärme­dämmung von Wänden, Dachflächen, Keller- und Geschoss­decken

Die Dämmung der Außenfassade bei einem Bestandsgebäude kann eine echte Herausforderung sein. Was sich Architekten und Fachplaner auf einem Plan überlegen, muss nicht immer auch vor Ort umsetzbar sein. Ob einfach nur der Platz fehlt oder man aufgrund der Dämmung die Abstandsfläche zum Nachbar nicht mehr einhalten kann, hier sind oft Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Alternativ lassen sich auch die Innenwände der Außenfassade dämmen, was Innendämmung genannt wird. Nachteilig dabei ist, das der Bauherr auf Wohnraum verzichten muss. Daneben ist die Ausführung einer Innendämmung technisch und handwerklich anspruchsvoller, als bei einer Außendämmung. Bauphysikalisch ist die Innendämmung sogar sinnvoller, weil die Schicht mit dem größten Wärmewiederstand raumseitig verbaut wird.

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Die Dämmung von unbeheizten Nebenräumen, wie dem Dachboden oder dem Keller, erfolgt in der Regel mit Dämmplatten. Auf dem Dachboden werde diese auf dem Fußboden des Daches ausgelegt und beim Keller auf der Kellerdecke verbaut. Als Folge dringt weniger Wärmeenergie in diese Bereiche, die ohnehin nicht als Wohnraum genutzt werden. Problematisch werden solche Maßnahmen dann, wenn Feuchtigkeit in diese ungeheizten Bereiche eindringt. Beispielsweise könnte warme und feuchte Luft vom Obergeschoss irgendwie (vielleicht ein unbekannter Baumangel, wie ein Spalt oder ähnliches) in den Dachboden gelangen und dort relativ schnell abkühlen, was zu Schimmelbildung oder Tauwasser führen kann.

Erneuerung der Fenster und Außen­türen

Die Lebensdauer von Fenstern, je nach Art (Holzfenster, Kunstostofffenster, etc.) variiert zwischen 15 und 40 Jahre. Energetisch betrachtet sind die meisten Fenster aber schon nach wenigen Jahren überholt. Aus 2-Scheiben-Verglasung ist 3-Scheiben-Verglasung geworden und auch die Gase zwischen den Scheiben wechseln immer wieder. Ob es sich lohnt Fenster auszubauen, weil sie nicht energetisch optimal sind, ist eine Frage, die ein Bauphysiker oder Energieberater klären kann. Oft reicht schon die regelmäßige Wartung der Fenster aus, um Wärmeverluste aufgrund von Undichtigkeiten zu vermeiden. Gleiches gilt für Außentüren.

Wer nach dem Einbau neuer Fenster merkt, das „es zieht“ ärgert sich nicht nur schwarz sondern auch mit dem Fensterbauer. Wenn die Fenster allerdings wirklich überholt sind und ein regulärer Austausch bevorsteht, dann kommt die Förderung der KfW wie gerufen!

Erneuerung oder Optimierung der Heizungs­anlage

Besonders sinnvoll bei der Optimierung der Heizungsanlage ist der sogenannte hydraulische Abgleich. Dabei wird die gesamte Verteilung des Warmwassers in der Heizung auf einen Durchfluss eingestellt. Dieser Eingriff ist rein technisch und nicht bauphysikalisch, Daher gibt es keine Wirkung auf den Rest des Gebäudes. Gleichzeitig ist ein hydraulischer Abgleich vergleichsweise kostengünstig und mit relativ wenig Aufwand verbunden.

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Die Erneuerung der Heizungsanlage, also bei einer Gasheizung der Austausch eines Brenners gegen einen Brenner mit Brennwerttechnik ist aufwändiger, kostspieliger und bedarf eines reiflichen Planung. Wer einen zu großen Brenner einbaut, also mit zu viel Leistung, tut sich keinen Gefallen. Der Austausch des Brenners kostet relativ schnell mehrere tausend Euro.  Wer die Möglichkeit hat, den Energieträger zu wechseln, sollte sich auch hierüber Gedanken machen. Öl, Gas und Atomstrom sind Energieträger, die Du selbst kaum erzeugen kannst. Die Umwandlung von Sonnenenergie in elektrischen Strom oder Wärmeenergie hingegen macht Dich und Dein Haus unabhängiger. Die aktuellen politischen Querschläger und Reibereien betreffen Dich dann nicht. Gleiches gilt für Energie mit Wärmepumpen oder Wasserkraftwerken in Deiner Nähe.

Erneuerung oder Einbau einer Lüftungs­anlage

Wenn das Haus dicht ist, wird die Luftfeuchtigkeit nicht mehr so gut abgeführt, wie vor der Sanierung. Hier macht es Sinn eine Lüftungsanlage einzubauen, um feuchte Innenlauft nach außen zu transportieren. Neben zentralen Lüftungsanlagen, die sich eher schlecht in Bestandsimmobilien einabauen lassen, gibt es dezentrale Lüftungsanlagen. Hier sind dezentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung einzusetzen. Stell Dir vor, Du hast eine hochgedämmte Wand und in dieser Wand ist ein Loch! Genau das ist eine dezentrale Lüftungsanlage. Eine dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung füllt dieses Loch zusätzlich mit einem Energiespeicher (z.B. Keramik) aus, der die Wärme aus der abfließenden Innenluft speichert und der hineinströmenden Außenluft zuführt.

KfW 115 Haus: Blower Door Test

Um die Anforderungen an die Dichtheit des Gebäudes zu prüfen, bietet sich ein Blower-Door-Test an. Dabei wird in eine Außentür ein Rahmen gespannt und mit einer Plastikfolie überzogen. In der Plastikfolie sitzt eine Art Ventilator, der Unterdruck und Überdruck erzeugen kann. Mit Hilfe dieser Vorrichtung kann auf die Suche nach Leckagen gegangen werden. Hier bieten sich folgende Bauteile für die Überprüfung an  (insbesondere zur Außenwand):

  • Stromanschlüsse/Steckdosen
  • Fenster
  • Außentüren
  • Sanitäranschlüsse im Badezimmer und Hauswirtschaftsraum

Aber auch das gesamte Gebäude wird mit Hilfe der Blower Door untersucht. Bei einem entsprechenden Druckgefälle wird die Luftwechselzahl überprüft. Es wird also die Frage beantwortet, wie oft sich das Luftvolumen im Gebäude innerhalb von einer Stunde mit der Außenluft austauscht.

KfW 115 Förderung & kombinierbare Förderprogramme für das KfW Effizienzhaus 115

KfW Förderprogramm 151/152

Das Förderprogramm mit der Nummer 151/152 der KfW richtet sich speziell an Bauherrn, die ihr Bestandsgebäude sanieren möchten. Für die Sanierung zum KfW 115 Haus, stellt die KfW einen vergünstigten Kredit von bis zu 100.000,oo € und einen Tilgungszuschuss von bis zu 12.500,00 €. Der Tilgungszuschuss senkt den Kredit und damit die Kreditlaufzeit. Auch Einzelmaßnahmen werden gefördert, nämlich mit einem vergünstigten Kredit von bis zu 50.000,00 €. Die Kreditvolumen beziehen sich auf je eine Wohneinheit. Willst Du also ein Mehrfamilienhaus sanieren, kannst Du auf entsprechend mehr Kreditvolumen zurückgreifen.

KfW Förderprogramm 430

Mit einem Zuschuss von bis zu 30.000,00 € wir die ener­getische Sanierung von Wohn­gebäuden, für die der Bau­antrag oder die Bau­anzeige vor dem 01.02.2002 gestellt wurde, gefördert.

KfW Förderprogramm 431

Mit bis zu 4.000,00 € bzw. maximal 50 % der entstehenden Kosten für die Bauleitung bei der Sanierung werden ebenfalls gefördert.

 

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